Denkmal des Warschauer Aufstandes

Nicht weit von der rekonstruierten Altstadt entfernt steht auf dem Krasiński-Platz eines der bedeutendsten Denkmäler der polnischen Hauptstadt: das Denkmal des Warschauer Aufstandes, polnisch Pomnik Powstania Warszawskiego. Wer verstehen will, warum Warschau heute so aussieht, wie es aussieht, kommt an diesem Ort kaum vorbei, er erzählt in Bronze genau das, was die Stadt einst fast vollständig zerstört hat.

Der Warschauer Aufstand 1944

Am 1. August 1944 erhob sich die polnische Untergrundarmee, die Armia Krajowa, gegen die deutsche Besatzung. 63 Tage lang kämpften die Aufständischen um die Kontrolle über ihre eigene Stadt, in der Hoffnung, Warschau noch vor dem Eintreffen der Roten Armee zu befreien. Der Aufstand endete am 2. Oktober 1944 mit der Kapitulation, zehntausende Zivilisten und Kämpfer starben, große Teile der Stadt wurden in der Folge von den deutschen Besatzern systematisch niedergebrannt, jene Zerstörung also, die später den kompletten Wiederaufbau der Altstadt notwendig machte.

Das Denkmal am Krasiński-Platz

Enthüllt wurde das Denkmal am 1. August 1989, exakt 45 Jahre nach Beginn des Aufstands, vor dem Gebäude des Obersten Gerichts. Entworfen hat es der Bildhauer Wincenty Kućma gemeinsam mit dem Architekten Jacek Budyn. Die Bronzekonstruktion ist rund 10 Meter hoch und wird oft als das wichtigste Denkmal des Nachkriegs-Warschau bezeichnet, eine steile Einordnung, die angesichts der Zahl an Gedenkorten in der Stadt trotzdem nachvollziehbar ist.

Zwei Szenen in Bronze

Das Denkmal besteht aus zwei eng beieinanderstehenden Teilen. Der größere, erhöhte Teil zeigt eine Gruppe von Aufständischen mitten im Kampf, sie scheinen aus den Trümmern eines einstürzenden Gebäudes herauszustürmen, dargestellt durch eine bewusst abstrakte, zerklüftete Bronzeform. Direkt daneben, kleiner und ruhiger, steigt eine zweite Gruppe von Kämpfern in einen Kanalschacht hinab.

Diese zweite Szene bezieht sich auf eine sehr konkrete Episode: Die Aufständischen nutzten das Warschauer Kanalsystem, um sich unbemerkt unter deutsch besetztem Gebiet fortzubewegen. Genau an diesem Platz begann Anfang September 1944 die fünfstündige Evakuierung von 5.300 Widerstandskämpfern aus der belagerten Altstadt ins Stadtzentrum, ein Fluchtweg durch Dunkelheit und Abwasser, den sich die meisten Besucher kaum vorstellen können, wenn sie heute über den offenen Platz gehen.

Warum dieser Ort wichtig ist

Wer von der Altstadt kommt, sieht am Krasiński-Platz gewissermaßen die Rückseite der Postkartenmotive: nicht die hübsch rekonstruierten Fassaden, sondern die Erinnerung an das, was diese Rekonstruktion überhaupt nötig gemacht hat. Für viele Warschauer ist der Ort kein reines Touristenfoto, sondern ein Familiengedächtnis, entsprechend ruhig und respektvoll geht es hier meist zu, auch ohne ausdrückliche Verhaltensregeln.

Praktische Infos für den Besuch

Das Denkmal steht frei zugänglich im öffentlichen Raum, es gibt weder Öffnungszeiten noch Eintritt. Die nächstgelegene Metrostation ist Ratusz Arsenał, von dort sind es nur wenige Gehminuten, alternativ erreicht man den Platz gut mit Bus oder Straßenbahn. Da der Krasiński-Platz nur einen kurzen Spaziergang von der Altstadt entfernt liegt, lässt sich der Besuch problemlos mit einem Altstadt-Rundgang verbinden, am besten davor oder danach, wenn man die Geschichte der Rekonstruktion schon im Kopf hat.

Häufige Fragen zum Denkmal des Warschauer Aufstandes

Wo steht das Denkmal des Warschauer Aufstandes?
Auf dem Krasiński-Platz in Warschau, vor dem Gebäude des Obersten Gerichts, nahe der Altstadt.

Wann wurde das Denkmal eingeweiht?
Am 1. August 1989, genau 45 Jahre nach dem Beginn des Warschauer Aufstands.

Was stellen die beiden Bronzeteile dar?
Der größere Teil zeigt kämpfende Aufständische, die aus einem einstürzenden Gebäude hervorbrechen, der kleinere Teil Kämpfer, die in einen Kanalschacht hinabsteigen.

Was hat es mit dem Kanalschacht auf sich?
Er erinnert an die Nutzung der Warschauer Kanalisation durch die Aufständischen, unter anderem für die Evakuierung von 5.300 Kämpfern aus der Altstadt im September 1944.

Kostet der Besuch des Denkmals Eintritt?
Nein, es handelt sich um ein frei zugängliches Denkmal im öffentlichen Raum ohne Öffnungszeiten oder Eintrittspreis.

Wie kommt man zum Denkmal?
Am einfachsten über die Metrostation Ratusz Arsenał, von dort sind es nur wenige Gehminuten, alternativ mit Bus oder Straßenbahn.